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News2021-07-19T10:59:32+00:00

neue Publikation des Georg Eckert Instituts

Das Georg-Eckert-Institut, Leibnitz-Institut für internationale Schulbuchforschung

hat eine neue Publikation herausgegeben:

„Schulbücher und Antiziganismus: Zur Darstellung von Sinti und Roma in aktuellen deutschen Lehrplänen und Schulbüchern“ (Imke Rath und Riem Spielhaus. Eckert. Dossiers 3 (2021). urn:nbn:de:0220-2021-0096)

Zitat aus der Einleitung:

„Verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure, darunter Selbstorganisationen, staatliche Einrichtungen des Bundes sowie einzelner Länder in Deutschland und Institutionen der Europäischen Union wie der Europarat, setzen sich für die Gleichstellung der nationalen Minderheit der Sinti*zze und Rom*nja1 ein. Der Bildungsbereich wird dabei bspw. in dem von der Europäischen Kommission herausgegebenen „Bericht über die Umsetzung der nationalen Strategien zur Integration der Roma“2 als wichtiger Politikbereich für die Förderung der Gleichstellung dieser Minderheit identifiziert. Für den deutschen Bildungssektor formulierte die Kultusministerkonferenz 2013 die Empfehlung, Schulbücher grundsätzlich auf die Berücksichtigung der Heterogenität der Schüler*innen zu prüfen.3

Der schulischen Bildung wird das Potenzial zur Überwindung verfestigter Vorurteile und Stereotype beigemessen, indem Jugendlichen Informationen an die Hand gegeben werden, auf deren Grundlage sie sich ein differenziertes Bild machen können. Der Frage, wie sehr dieses Potenzial in Bezug auf die Darstellung von Sinti*zze und Rom*nja genutzt wird, geht diese Analyse von Curricula und Schulbüchern für den Schulunterricht in Deutschland in den sinnbildenden Fächern Geschichte, Politik/Sozialkunde und Geografie sowie Gemeinschaftskunde und Gesellschaftslehre nach.“

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1 Sinti*zze und Rom*nja steht in dieser Studie für alle geschlechtlichen Formen der gemeinhin als „Sinti und Roma“ bezeichneten Minderheit. Im Singular spricht man von Sinto (maskulin) und Sintezza oder Sintizza (feminin), im Plural von Sinti (maskulin) und Sintezze oder Sintizze (feminin); Rom und Romni sind die maskulinen und femininen Formen im Singular, Roma und Romnja die entsprechenden Plural-Formen. In Anlehnung an Astrid Messerschmidt, die in einem Beitrag zu Antisemitismus- und Rassismuskritik die Bezeichnung „Juden“ immer dann gendert, wenn es sich um reale Personen jüdischen Glaubens handelt und die nicht-gegenderte Form als Figur der Personengruppe versteht, verwendet dieser Bericht die gegenderte Form dann, wenn es um reale Personen geht. Handelt es sich hingegen um die (klischeebehaftete) Vorstellung oder konkrete Darstellungen der Personengruppe, wird „Sinti und Roma“ verwendet, wobei sich die Trennlinie zwischen den beiden Konzepten nicht immer klar ziehen lässt. Lehrpläne und Schulbücher verwenden „Sinti und Roma“ ausschließlich in nichtgegenderter Form. Auch sonst gendern sie äußerst selten. Bei Zitaten oder Paraphrasen aus Schulbüchern und Lehrplänen ist dies entsprechend übernommen. Vgl. Messerschmidt, Astrid, 2017, „Verbunden und getrennt – Antisemitismus- und Rassismuskritik“, in: IDA NRW, 23 (2), 2-6.

2 Vgl. Europäische Kommission (Hg.), 2019, „Bericht über die Umsetzung der nationalen Strategien zur Integration der Roma“, in: Mitteilungen der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat, Brüssel,
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52019DC0406&from=FR.

3 Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, 2013, „Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013)“, 8,
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Themen/Kultur/1996_10_25-Interkulturelle-Bildung.pdf.

Veranstaltungsempfehlung „BildungsUnGleichheiten“ am 6.10.2021

„BildungsUnGleichheiten“
eine Veranstaltung der Bildungsregion Ostfriesland im Kontext „Südosteuropa“ am 6.10.2021

KogA Stellungnahme zur Abschiebung einer Celler Romni

STELLUNGNAHME der Kompetenzstelle gegen Antiziganismus zur Abschiebung einer alleinerziehenden Celler Romni und ihrer 6-jährigen schwerbehinderten Tochter

Die Kompetenzstelle gegen Antiziganismus (KogA) der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten nimmt Stellung zum Fall der Abschiebung einer alleinerziehenden Celler Romni und ihrer 6-jährigen schwerbehinderten Tochter nach Serbien am 30. Juni 2021

Am Ende dieser Stellungnahme finden Sie einen Spendenhinweis für die Unterstützung der Familie

Am 20. Juli 2021 erhielten wir über das Roma Antidiscrimination Network (RAN) Kenntnis von der nächtlichen Abschiebung einer alleinerziehenden Celler Romni und ihrer 6-jährigen, schwerbehinderter Tochter nach Serbien. Auf Anweisung der Celler Ausländerbehörde holten Beamt_innen beide am 30. Juni um 1:30 Uhr nachts ab. Ein noch nicht abschließend behandelter Einspruch im Asylverfahren und ein Härtefallantrag beim niedersächsischen Innenministerium wurden nicht berücksichtigt.

Als Kompetenzstelle gegen Antiziganismus (KogA) der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten sind wir über das Vorgehen der Ausländerbehörde fassungslos. Wir schließen uns der Kritik des Flüchtlingsrats Niedersachsen, des Roma Center e.V. und des AK Asyl und Migration Celle an.

Der aktuelle Fall in Celle beinhaltet das, was wir meinen, wenn wir von Antiziganismus als einem historisch hergestellten, sich in den Formen verändernden, gesellschaftlich etablierten Rassismus mit gewaltförmigen Praktiken sprechen.

Sprächen wir im vorliegenden Fall, wie bei vielen anderen Fällen der letzten Zeit, von „strukturellem oder institutionellem Antiziganismus oder Rassismus“ würde dies mit hoher Wahrscheinlichkeit von vielen Vertreter_innen der beteiligten Institutionen weit zurückgewiesen und von bedauerlichen Einzelfällen, ggf. von Fehlverhalten gesprochen werden. Oder die betroffenen Akteur_innen zögen sich auf die geltende Rechtslage zurück.

Genau in diesen kommunikativen (Zwischen-) Räumen sind die „Blinden Flecken“ systemischer antiziganistischer Diskriminierung verortet. Das meint es auch, wenn wir davon sprechen, dass Sinti_ze und Rom_nja unsägliche Zumutungen erfahren und systemisch diskriminiert wurden und werden.

Denn, wer ist nun genau für die Abschiebung verantwortlich? Die Polizei, die nachts kommt und Menschen abschiebt? Der/die Mitarbeiter_in der  Ausländerbehörde, der/die die Abschiebung – nach Rechtslage, intendiert antiziganistisch oder im vorauseilenden Gehorsam, schnell und ohne Abwarten der Entscheidung zum Asylantrag – anordnet? Der/die Vorgesetzte der Mitarbeiterin/des Mitarbeiters, die Quoten und Kennzahlen erfüllen oder einfach nur „hart und konsequent“ Recht umsetzen wollen? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie Gerichte, die Asylanträge in vergleichbaren Fällen in
aller Regel ablehnen? Der Gesetzgeber, der Serbien zum sicheren Herkunftsstaat deklariert hat? Die mangelnde Kommunikation unter den Akteur_innen vor Ort und den Institutionen auf Landes- und Bundesebene?

Dieses Vorgehen ist für uns in vielfältiger Weise unerträglich:

  1. Es bestätigt die fehlende Sensibilität und das fehlende Bewusstsein für das Thema Antiziangismus.
  2. Wir arbeiten seit Jahren zum Thema Antiziganismus und das mit bundesweiter Ausstrahlung. Nach einer Auftaktveranstaltung sind wir aktuell in der Anbahnung von Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter_innen in Celler Behörden. Erst kürzlich waren wir im Rahmen der „Aktionswochen Vielfalt“ des Landkreises Celle mit Veranstaltungen aktiv. Diese Abschiebung in dieser Zeit und an diesem Ort empfinden wir als Affront und als ignorant.
  3. Erst kürzlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma verliehen bekommen. In ihrer Dankesrede sprach sie von der schwierigen, diskriminierenden Situation für Rom_nja in den Westbalkanländern. Die fehlende Gleichberechtigung und den Antiziganismus bezeichnete sie als „Schande für unser Land“. Sie betonte, dass wir alle Antiziganismus entgegenwirken müssen. Das „wir“ meint hier nicht nur individuelles oder privates Handeln, sondern antiziganismuskritisches Handeln von beruflichen Akteur_innen, Institutionen und Organisationen.
  4. Es ist unmenschlich, wenn die 2015 in Celle geborene und schwer behinderte Romni nach Serbien abgeschoben wird. Ein Land, in dem Rom_nja in vielfältiger Hinsicht benachteiligt werden. Die Chancen für eine entsprechende medizinische Versorgung sowie eine angemessene Förderung der Entwicklung stehen für das sechsjährige Mädchen sehr schlecht.
  5. Das Vorgehen der Celler Behörde ist auch ein Affront gegen den gerade veröffentlichten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA), die damit einhergehende Diskussion im Bundestag und die gemeinsame Erklärung von Bundesinnenministers Horst Seehofer und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Im Bericht der UKA werden sechs zentrale Forderungen formuliert. Mindestens zwei sind im vorliegenden Falle berührt:
    Erstens, die „Umfassende Anerkennung des nationalsozialistischen Genozids an Sinti_ze und Rom_nja“ und die daraus erwachsene Verantwortung Deutschlands auch mit Blick auf Europa und die sogenannten sicheren Herkunftsstaaten.
    Zweitens, die „Anerkennung von geflüchteten Rom_nja als besonders schutzwürdige Gruppe“, welcher der „Zugang zu Recht, Wohnen, Gesundheit, Bildung und Arbeit erheblich erschwert oder gar verweigert“ wurde und wird. Damit einher geht die Empfehlung der UKA an die Bundesregierung und den Gesetzgeber, „die menschenrechtlich nicht haltbare Einstufung von Serbien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Montenegro und dem Kosovo als „sichere Herkunftsstaaten“ zurückzunehmen.

Wie der Flüchtlingsrat Niedersachsen, das Roma Center e.V. und der AK Asyl und Migration  Celle fordern wir die Rückkehr bzw. Rückholung der Familie sowie den sofortigen und vollständigen Abschiebestopp von Rom_nja. Wir appellieren an die Stadt Celle und das Land Niedersachsen, im konkreten Fall aktiv zu werden. Wir wünschen uns, dass das Land Niedersachsen im Sinne der zentralen Forderungen und Empfehlungen des Berichtes der Unabhängigen Kommission Antiziganismus aktiv wird.

Zur Unterstützung der Familie wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Mehr Informationen dazu finden Sie am Ende des Artikels des Flüchtlingsrats Niedersachsen e.V. (nach den Angaben zu Kontakten):

https://www.nds-fluerat.org/49709/aktuelles/6-jaehrige-celler-romni-mit-schwerberhinderung-nachts-abgeschoben/

Quellen:
Roma Antidiscrimination Network (RAN),
https://ran.eu.com/5193-2/?fbclid=IwAR2CKvlNDGUio78k01DLMLKJyXeiyodwcF3JCI_VKgG2M7bjbCESI4WsxI8 [letzter Zugriff: 28.7.2021].

Verleihung des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma an Angela Merkel,
https://www.youtube.com/watch?v=Odr7QK6YZF8&t=1236s [letzter Zugriff: 28.7.2021].

Koordinierungsstelle „Unabhängige Kommission Antiziganismus“,
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/gefoerderte-projekte/unabhaengigekommission-antiziganismus [letzter Zugriff: 28.7.2021].

Sechsjährige Romni mit Behinderung: Abschiebung trotz Härtefallantrag, Online-Artikel in der taz von Nadine Conti,
https://taz.de/Sechsjaehrige-Romni-mit-Behinderung/!5781738/ [letzter Zugriff: 26.7.2021].

„Aktionswochen Vielfalt“ im Landkreis Celle

Aktionswochen Vielfalt 2021 – Danke für diese tollen Wochen

22.07.2021 Pressemitteilung des Landkreis Celle zu den Aktionswochen

Vom 14.6. bis 4.7. fanden im Landkreis Celle erstmals die „Aktionswochen Vielfalt“ statt. Damit möchte der Landkreis Celle

  • die Vielfalt im Landkreis deutlich machen,
  • demokratische Strukturen stärken,
  • Menschen miteinander ins Gespräch bringen,
  • zum demokratischen Dialog ermutigen,
  • und entscheidende Zeichen setzen gegen Ausgrenzung und Rassismus.

KogA hat sich mit der digitalen Diskussionsveranstaltung „Gleichberechtigte Teilhabe – Strategien gegen Antiziganismus“ an den Aktionswochen beteiligt. Nach einem Impulsvortrag zum Thema Antiziganismus und dem gerade erschienenen Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus sind wir mit Vertreter_innen aus Selbstorganisationen der Sinti_ze und Rom_nja sowie aus weiteren Organisationen ins Gespräch darüber gekommen, was Antiziganismus für die betroffenen Menschen bedeutet. Außerdem haben wir Handlungsstrategien beleuchtet, um antiziganistischer Diskriminierung und Ausgrenzung wirksam zu begegnen und eine gleichberechtigte Teilhabe und Partizipation für Rom_nja und Sinti_ze zu ermöglichen.

Die Diskutant_innen waren:

  • Samantha Rose, Niedersächsische Beratungsstelle für Sinti und Roma und Vertreterin des Forums für Sinti und Roma e.V.
  • Maik Claasen, Junges Forum gegen Antiziganismus /Verein für Sinti, Reisende und Roma Celle Allertal e.V.
  • Sevdije Berisa, Romane Aglonipe e.V.‚ Zurale Romnja andar’o – Starke Roma-Frauen in Niedersachsen e.V.‚ Ternengo Drom e Romengo – Roma-Jugendliche in Nds. e.V.
  • Sorusch Ebrahimi, diversu e.V. – Institut für Diversity, Nachhaltigkeit, Gender und Natur

Weiterbildung „Antiziganismus erkennen und begegnen“

2021-07-16         –              ANKÜNDIGUNG
Weiterbildung „Antiziganismus erkennen und begegnen“ geht in die zweite Runde

Wir – Pädagogische Hochschule Heidelberg, Institut für Gesellschaftswissenschaft (IGW), Abteilung Geschichte (GES), Arbeitsstelle Antiziganismusprävention – gehen in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg nach einem erfolgreichen ersten Durchlauf der Weiterbildung in die zweite Runde und bieten euch ab dem 09. Oktober 2021 eine 5-teilige Online-Fortbildung zum Thema „Antiziganismus erkennen und begegnen“ an.

Ihr arbeitet im Bereich Pädagogik? Wollt Ihr euch gerne intensiver und kostenlos mit den Themen Rassismus, institutionelle Diskriminierung, Antiziganismus & eurer eigenen Berufsrolle beschäftigen? Dann meldet euch an. Wir freuen uns auf spannende Diskussionen und Fragen.

Die weiteren Termine findet ihr hier im Flyer der Weiterbildung.

Anmeldung per Mail an Frau Bossert: regina.bossert@lpb.bwl.de

Gerne dürft ihr die Information auch an Interessierte weiterleiten.

Nadine Küßner
Bildungswissenschaftlerin/Pädagogin
https://www.ph-heidelberg.de/geschichte/personen/lehrende/kuessner.html
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Transfer Together
Teilprojekt Antiziganismusprävention
www.ph-heidelberg.de/transfertogether
www.transfertogether.de

Arbeitsstelle Antiziganismusprävention
www.azp-hd.org

Institut für Gesellschaftswissenschaft (IGW)
Abteilung Geschichte (GES)
Gebäude: INF 519
Raum: TO 112
Tel: 06221/477-337
kuessner@ph-heidelberg.de

Herzlich willkommen

Herzlich willkommen auf der neuen Webseite der „Kompetenzstelle gegen Antiziganismus“ (KogA).

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